Theodor Voigt (*18. Februar 1807 in Tharandt, ✝24. April 1889, Leipzig) war 1845-18721/682 evangelisch-lutherischer Pfarrer von Liebertwolkwitz und Großpösna.
Herkunft und Studium
Theodor Voigt entstammte einer traditionsreichen sächsischen Familie evangelisch-lutherischen Glaubens, deren Stammtafel bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Während die frühesten Vorfahren Handwerker waren, folgten in den späteren Generationen zahlreiche Geistliche – darunter auch der Vater, der Großvater und der Urgroßvater Theodor Voigts. Er wurde am 18. Februar 1807 in Tharandt bei Dresden geboren. Seine Eltern waren Christian Friedrich Traugott Voigt (Pfarrer in Tharandt und später Superintendent im thüringischen Artern) und Juliane Erdmuthe geb. Clausnitzer, einer Kaufmannstochter aus Leipzig.
Nach dem frühen Tod des Vaters am 5. Januar 1814 kehrte die Mutter im Februar 1815 mit den Kindern nach Tharandt zurück. Neben Theodor überlebten zwei Schwestern (Julie Auguste und Rosalie Elise), zwei Brüder verstarben bereits im frühen Kindesalter. Aufgrund der äußerst beschränkten finanziellen Verhältnisse der verwitweten Mutter gestaltete sich die Ausbildung sehr schwierig. Theodor besuchte zunächst eine private Unterrichtsanstalt, die ihn unentgeltlich aufnahm, und anschließend die Dresdner Kreuzschule, deren Besuch durch Freunde der Familie ermöglicht wurde. Auch während seines Studiums der Theologie an der Universität Leipzig von Oktober 1826 bis Ende September 1830, lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Er bestritt seinen Lebensunterhalt durch privaten Nachhilfeunterricht, Stipendien sowie die Inanspruchnahme von kostenlosen Mahlzeiten bzw. Essenszuschüssen für bedürftige Studenten.
Nach dem Studium
Nach Abschluss des Studiums arbeitete Voigt ab Januar 1831 als Hauslehrer bzw. Erzieher der Kinder des sächsischen Staatsministers von Minckwitz in Dresden. Nachdem er im August 1834 die theologische Prüfung zur Anstellungs- und Wahlfähigkeit (Wahlfähigkeitsprüfung) abgelegt hatte, wurde ihm im September 1834 die Pfarrstelle in Störmthal bei wenige Kilometer von Liebertwolkwitz übertragen. Nach zehnjähriger Tätigkeit in Störmthal übernahm er am 20. April 1845 die Pfarrstelle in Liebertwolkwitz mit Großpösna (letzteres war damals eine Filialkirche/Tochterkirche von Liebertwolkwitz). Neben den sonntäglichen Gottesdiensten an beiden Orten und den regulären Amtsgeschäften erteilte er seinen eigenen Kindern, aufgenommenen Pensionären sowie Kindern aus der Gemeinde privaten Unterricht. Ein bedeutendes werkgeschichtliches Ergebnis seiner Arbeit waren die von ihm verfassten Orts- und Kirchenchroniken für Störmthal sowie für Liebertwolkwitz und Großpösna, in denen Grundstücke, Ackerflächen und Bewohner detailliert verzeichnet sind. 1848 erschien seine Zusammenfassung der Ereignisse der Völkerschlacht in Liebertwolkwitz und Großpösna. 1852 weihte er den neuen Friedhof Liebertwolkwitz (heutiger Friedhof) ein.
Ende September 1872 trat er in den Ruhestand. Danach verließ er das Pfarrhaus, wohnte jedoch weiterhin in Liebertwolkwitz.
Familie und spätere Jahre
Am 7. Oktober 1834 heiratete Theodor Voigt in Tharandt Anna Catharina Grosrenaud (geboren am 4. Juli 1814 in Montbéliard, Frankreich). Aus dieser Ehe gingen sechs Kinder hervor: Adolphine Anna Elise (* 25.07.1835, starb am folgenden Tag); Robert Theodor (* 12.06.1836, starb am 26.11.1859 als frisch ausgebildeter Mediziner); Friedrich Theodor (* 19.06.1838, starb am 27.11.1867 als Bergbauingenieur in Audincourt, Frankreich); Johanna Erdmuthe (* 10.11.1842, † 05.06.1913; heiratete 1865 den Kulturingenieur Johann Seetzen); Adele Catharina (* 11.06.1844, † 24.02.1845); Anne Adele (* 18.12.1846, † 12.09.1928; heiratete 1872 den Rechtsanwalt und Leipziger Unternehmer Dr. Ludolf Colditz).
Seine Ehefrau Anna Catharina verstarb am 9. Februar 1865. Durch die französische Herkunft der Ehefrau bestanden lebhafte internationale Kontakte. Es gab gegenseitige Besuche in Montbéliard, im Liebertwolkwitzer Pfarrhaus wurden wiederholt französischsprachige Pensionäre (u. a. aus Brüssel und Paris) aufgenommen, um Deutsch zu lernen. Nach dem Tod seiner Frau übernahm Anfang April 1865 für etwa ein halbes Jahr die Witwe des Leipziger Pfarrers Otto die Haushaltsführung im Pfarrhaus. Zu einem späteren Zeitpunkt ging Theodor Voigt eine zweite Ehe mit Fanny geb. Baumbach (* 23.02.1817) ein. Obwohl sie ein gutes Verhältnis zur übrigen Familie pflegte, blieb die Beziehung zwischen den Eheleuten kühl. Seine zweite Frau starb am 24. April 1889 im 73. Lebensjahr.

Am 2. November 1889 verstarb Pfarrer Theodor Voigt im Alter von 83 Jahren.
Er ist heute auf dem Friedhof Liebertwolkwitz (Mitte), mit seiner Frau Anna Catharina (links) und seiner zweiten Frau Fanny (rechts) begraben.
Das Grab hat den Status eines Ehrengrabes und wir seit 2026 durch den Liebertwolkwitzer Verein für lebendige Geschichte e.V. gepflegt.
Ehrung und Nachwirkung
In Liebertwolkwitz ist eine Straße nach ihm benannt.
Sein Werk „Liebertwolkwitz in den Tagen der Schlacht bei Leipzig“ ist bis heute eine wichtige Quelle zu den Ereignissen im Oktober 1813. 2026 erschien eine erweiterte Neuauflage durch den Liebertwolkwitzer Verein für lebendige Geschichte e.V.
